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Die Eskalationsstufen nach Glasl

Fast jeder Streit folgt einem Muster. Er schaukelt sich Stufe für Stufe hoch, und oft merken wir erst spät, wie weit wir schon gegangen sind. Der Konfliktforscher Friedrich Glasl hat dieses Muster in neun Stufen beschrieben. Ich nutze es, damit du einschätzen kannst, wo ihr gerade steht und was jetzt hilft.

Paar in einer hitzigen Diskussion in der Küche – die Eskalationsstufen nach Glasl

Definition

Die Eskalationstreppe nach dem Konfliktforscher Friedrich Glasl ist ein Modell, das beschreibt, wie Konflikte in neun aufeinander folgenden Stufen eskalieren und dabei drei Bereiche durchlaufen: vom gemeinsamen Ringen über das Gegeneinander bis zur reinen Zerstörung.

Kurz erklärt

Die Eskalationstreppe nach Glasl zeigt in neun Stufen, wie ein Streit immer weiter eskaliert, von der ersten Verhärtung bis zu dem Punkt, an dem es nur noch ums Verletzen geht. In den ersten drei Stufen könnt ihr euch meist noch selbst helfen. In den mittleren drei ist Begleitung von außen sinnvoll. In den obersten drei braucht es einen anderen Weg.

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Was die Eskalationstreppe zeigt

Ich arbeite mit diesem Bild schon lange. Das Material stammt aus der Mappe für Streitkultur vom Institut für Friedenspädagogik, und es ist bis heute erstaunlich aktuell. Der Grund, warum ich es so oft zeige, ist einfach: Wenn ihr wisst, auf welcher Stufe ihr steht, wisst ihr auch, was ihr noch selbst tun könnt und ab wann es klug ist, sich Hilfe zu holen.

Die neun Stufen teilen sich in drei Bereiche. Schauen wir sie der Reihe nach an.

Zu diesem Thema habe ich auch ein Video aufgenommen. Wenn du lieber zuhörst, kannst du dir die wichtigsten Gedanken hier anschauen.

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Bereich 1: Ihr könnt euch noch selbst helfen (Stufe 1 bis 3)

Ganz am Anfang steht die **Verhärtung**. Die Standpunkte werden fester, es entsteht Spannung. Aber ihr redet noch miteinander, und der Konflikt ist noch gut lösbar.

Dann folgt die **Debatte**. Es wird hitziger, das Denken kippt ins Schwarz-Weiß, meins ist richtig, deins ist falsch. Die ersten „ja, aber du" fallen.

Die dritte Stufe sind **Taten statt Worte**. Das Gefühl entsteht, reden bringt nichts mehr. Man will durch Handeln überzeugen, es wird lauter, und langsam geht das Mitgefühl für den anderen verloren.

In diesem Bereich können im besten Fall noch beide gewinnen. Oft hilft schon, sich bewusst wieder an einen Tisch zu setzen und aufeinander zuzugehen.

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Bereich 2: Jetzt hilft Begleitung von außen (Stufe 4 bis 6)

In der vierten Stufe sucht man sich **Verbündete**. Man holt sich Rückendeckung, die Freundin ist genau derselben Meinung. Ich nenne das immer „die Armee holen".

Die fünfte Stufe ist der **Gesichtsverlust**. Jetzt gibt es direkte Angriffe und Abwertung. Der andere wird hingestellt, als wäre er nicht mehr ernst zu nehmen.

In der sechsten Stufe kommen **Drohstrategien** dazu, Drohung und Gegendrohung, Ultimaten. Der Konflikt beschleunigt sich und dreht sich nur noch um das Gegeneinander.

Hier wird aus dem Miteinander ein Gegeneinander, bei dem sich einer als Gewinner und einer als Verlierer fühlt. Genau jetzt ist eine Begleitung von außen wertvoll. Jemand, der nicht beteiligt ist, kann wieder übersetzen, über Gefühle und Bedürfnisse sprechen und den Blick füreinander zurückbringen. Das sind Prozesse, die in einer Paartherapie ihren Platz haben. Ich begleite Paare in den Phasen eins bis sechs.

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Bereich 3: Hier braucht es einen anderen Weg (Stufe 7 bis 9)

In der siebten Stufe, der **begrenzten Vernichtung**, wird der andere kaum noch als Mensch gesehen. Man nimmt sogar eigenen Schaden in Kauf, solange er den anderen härter trifft.

Die achte Stufe ist die **Zersplitterung**. Es geht nur noch darum, den anderen zu zerstören, nach dem Gedanken: Hauptsache, ich füge dir Schaden zu.

Die neunte und letzte Stufe heißt **gemeinsam in den Abgrund**. Totale Konfrontation, kein Weg zurück. Die eigene Zerstörung wird als Preis dafür in Kauf genommen, den anderen mit hinabzureißen.

In diesem Bereich verlieren am Ende beide. Hier hilft meist nur noch ein Eingriff von außen, zum Beispiel wenn ein Gericht entscheiden muss, was das Beste für ein Kind ist, weil die Beteiligten selbst nicht mehr ansprechbar sind.

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Was das für die Frage nach Hilfe bedeutet

Die Treppe macht eine Frage sehr greifbar, die sich viele Paare stellen: Lohnt sich eine Therapie überhaupt noch? Solange ihr euch in den Stufen eins bis sechs bewegt, lautet die Antwort fast immer ja. Erst ab Stufe sieben braucht es einen anderen Rahmen. Ausführlicher gehe ich darauf im Beitrag Wann ist Paartherapie noch sinnvoll? ein.

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Wie ihr die Treppe für euch nutzt

Mein wichtigster Rat ist, immer wieder innezuhalten und ehrlich zu schauen, auf welcher Stufe ihr gerade seid. Und dann zu fragen, was ihr selbst in der Hand habt, um wieder eine Stufe herunterzukommen.

Dazu gehört die Selbstkonfrontation, also der ehrliche Blick in den Spiegel: Was war mein Anteil daran, und hat mein Verhalten mir eigentlich geholfen? Oft zeigt sich dabei, dass der eigene Lösungsversuch das Problem sogar verstärkt hat. Wer sich immer wieder wiederholt, kommt nicht weiter. Und wer aus dem Streit lieber geht, um Ruhe zu haben, macht den anderen damit manchmal erst richtig unruhig, weil etwas ungeklärt bleibt.

Genau solche Muster lassen sich mit Begleitung gut erkennen und verändern. Mehr dazu findest du auch unter Wenn Gespräche immer eskalieren und Konflikte konstruktiv lösen.

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Dieser Artikel basiert auf den Prinzipien der Holfeld Methode – dem therapeutischen Ansatz, mit dem Anna Holfeld seit über 15 Jahren Paare begleitet. Erfahre mehr zur Methode

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Häufige Fragen

Ein Modell des Konfliktforschers Friedrich Glasl, das beschreibt, wie ein Streit in neun Stufen immer weiter eskaliert, von der ersten Verhärtung bis zur totalen Konfrontation. Die Stufen teilen sich in drei Bereiche: erst könnt ihr euch selbst helfen, dann hilft Begleitung von außen, am Ende braucht es einen Eingriff von außen.
Vor allem in den Stufen eins bis sechs. In den ersten drei begleite ich euch dabei, selbst wieder zueinanderzufinden. In den Stufen vier bis sechs übersetzt eine neutrale dritte Person wieder zwischen euch und bringt Empathie zurück. Ab Stufe sieben geht es meist nur noch mit einem Eingriff von außen.
Das ist die neunte und letzte Stufe. Es gibt keinen Weg zurück mehr, und die eigene Zerstörung wird in Kauf genommen, nur um den anderen mit hinabzureißen. Ein sehr wichtiges Bild, weil es zeigt, wie weit ein Konflikt gehen kann, wenn niemand rechtzeitig aussteigt.
Anna Holfeld – Systemische Paartherapeutin

Über die Autorin

Anna Holfeld

Systemische Paartherapeutin, Mediatorin und Elternbegleiterin mit über 15 Jahren Erfahrung. Anna hat mit der Holfeld Methode über 2.000 Paare begleitet und ist bekannt aus ARD, ZDF und dem Podcast „Apropos Beziehung".

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