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Wenn nur einer um die Beziehung kämpft

Du redest, du erklärst, du schlägst Termine für ein Gespräch vor. Und je mehr du dich bemühst, desto stiller wird es auf der anderen Seite. Das ist einer der schmerzhaftesten Zustände, in denen ein Paar sein kann, und ich sehe ihn sehr oft. Die gute Nachricht: Dahinter steckt fast nie Gleichgültigkeit, sondern ein Muster, das man verstehen und verändern kann.

Frau weint, Mann sitzt abgewendet daneben, nur einer kämpft um die Beziehung

Definition

Wenn nur einer um die Beziehung kämpft, entsteht der sogenannte Druck-Rückzug-Kreislauf: Eine Person fordert Nähe und Klärung, die andere braucht Abstand. Beide Reaktionen sind nachvollziehbar, aber zusammen verstärken sie sich gegenseitig.

Kurz erklärt

Je mehr du drückst, desto stiller wird dein Partner, und je stiller er wird, desto mehr drückst du. Der Weg aus diesem Kreislauf führt nicht über mehr Einsatz, sondern darüber, dass einer von euch etwas anderes tut als bisher. Das kannst du allein anfangen.

Fünf Zeichen, dass ihr in diesem Kreislauf steckt

  1. 1Du bist diejenige, die Gespräche anfängt, und zwar fast immer.
  2. 2Dein Lieblingsmensch weicht aus, vertagt oder wird einsilbig.
  3. 3Nach jedem Gespräch fühlst du dich schlechter statt besser.
  4. 4Du erklärst inzwischen mehr, als du fragst.
  5. 5Ihr streitet nicht mehr richtig, ihr verfehlt euch nur noch.
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Der Kreislauf, in dem ihr steckt

Wenn eine Person um die Beziehung kämpft, entsteht ein sehr verständlicher Impuls: überzeugen. Es wird diskutiert, argumentiert, gebeten, der Beziehung noch eine Chance zu geben.

Die Paarforschung von John und Julie Gottman hat dieses Muster beschrieben und nennt es „Demand-Withdraw", also Fordern und Rückzug. Einer fordert Nähe und Klärung, der andere entzieht sich. Es gilt als eines der stärksten Warnzeichen für Unzufriedenheit in einer Beziehung.

Das Tückische daran: Beide Seiten tun genau das, was sich für sie richtig anfühlt. Der eine braucht Gespräche, um sich sicher zu fühlen. Der andere braucht Abstand, um seine Gedanken zu ordnen. Jede Reaktion für sich ist nachvollziehbar. Zusammen erzeugen sie einen Kreislauf aus Druck und Rückzug, der beide erschöpft.

Und weil jeder das eigene Verhalten als Reaktion auf den anderen erlebt, ist die Frage, wer angefangen hat, nicht zu beantworten. Sie führt auch nicht weiter.

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Warum dein Lieblingsmensch sich zurückzieht

Der Satz, den ich am häufigsten höre, lautet: Ihm ist es einfach egal geworden.

In meiner Erfahrung stimmt das selten. Die Emotionsfokussierte Paartherapie nach Sue Johnson beschreibt Rückzug als Schutz, nicht als Desinteresse. Wer sich zurückzieht, hat meistens nicht aufgehört zu fühlen. Er hat aufgehört zu glauben, dass ein weiteres Gespräch etwas ändert.

Dazu kommt etwas Körperliches. Menschen können im Konflikt so überflutet sein, dass sie schlicht nicht mehr aufnahmefähig sind. Der Kopf ist voll, der Körper ist im Alarm. In diesem Zustand bringt „Jetzt rede endlich mit mir" nicht mehr Nähe, sondern mehr Stress.

Das ist keine Entschuldigung für Schweigen. Aber es verändert, was du tun kannst. Gegen Gleichgültigkeit hilft wenig. Gegen Überforderung hilft, den Druck herauszunehmen.

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Warum Überzeugen nicht funktioniert

Viele Menschen versuchen in dieser Lage, ihren Partner mit Argumenten zu erreichen. Sie erklären, warum die Beziehung wichtig ist, wie viel sie investieren würden, was alles auf dem Spiel steht.

Gefühle entstehen aber nicht durch Argumente. Niemand hat sich je zurückverliebt, weil die Gegenseite recht hatte.

Was ich stattdessen oft erlebe: Die Bewegung kommt in dem Moment, in dem einer aufhört zu überzeugen und anfängt zu verstehen. Nicht als Trick, damit der andere endlich reagiert, sondern wirklich.

Eine Frage, die dabei hilft: Versuche ich gerade, meinen Partner zu überzeugen, oder versuche ich zu verstehen, was zwischen uns passiert?

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Was du allein tatsächlich verändern kannst

Kann man allein an einer Beziehung arbeiten? Ja. Nicht, weil eine Person eine Beziehung allein tragen könnte, sondern weil eine Beziehung ein System ist. Zwei Menschen reagieren aufeinander. Wenn einer etwas anderes tut, muss der andere anders reagieren als bisher.

Das ist der Kern der systemischen Arbeit, und es ist kein Trick. Es ist einfach so, dass ein Muster nur weiterläuft, solange beide ihren Teil beitragen.

**Nimm den Druck heraus.** Für zwei Wochen keine Überzeugungsversuche, kein „Wir müssen reden", keine Ultimaten. Das ist schwer und fühlt sich an wie Aufgeben. Es ist das Gegenteil.

**Kümmere dich um dich.** Was brauchst du gerade wirklich? Schreib es auf. Nicht für ihn, für dich.

**Verändere eine konkrete Gewohnheit.** Begrüße ihn bewusst. Stell eine ehrliche Frage, die nichts fordert. Zeig Interesse an seinem Tag, ohne Gegenleistung zu erwarten.

**Sag, was du brauchst, als Information.** „Ich brauche das Gefühl, dass dir unsere Beziehung wichtig ist" ist etwas anderes als „Du tust ja gar nichts". Beim ersten kann er zuhören, beim zweiten macht er dicht. Wie das geht, steht ausführlich unter über Gefühle sprechen.

Wenn du für diesen Weg eine Begleitung möchtest: Der Beziehungsimpuls ist genau dafür gemacht, allein anzufangen.

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Wie lange, und woran du merkst, ob sich etwas bewegt

Ich empfehle einen klaren Zeitraum, meistens acht bis zwölf Wochen. Nicht, weil nach Woche zwölf etwas Bestimmtes passiert sein muss, sondern weil ein offenes Warten ohne Ende dich auffrisst.

In dieser Zeit achtest du nicht darauf, ob er sich verändert. Du achtest auf kleine Bewegungen: Wird er ein bisschen weniger einsilbig? Fragt er von sich aus etwas? Sitzt ihr wieder im selben Raum, ohne dass es sich anstrengend anfühlt?

Solche Anzeichen sind unspektakulär und leicht zu übersehen, wenn man auf die große Aussprache wartet. Sie sind trotzdem das eigentliche Signal.

Und ganz wichtig: Allein zu kämpfen darf nicht bedeuten, dich selbst aufzugeben. Wenn du merkst, dass du dich immer kleiner machst, damit es keinen Streit gibt, dann ist das kein Einsatz mehr, sondern Selbstaufgabe.

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Wenn sich nichts bewegt

Manchmal kommt nach Wochen nichts zurück. Auch das ist eine Antwort, und sie ist bitter.

Dann geht es nicht darum, noch mehr zu investieren, sondern ehrlich Bilanz zu ziehen. Ist noch Interesse da? Gibt es noch Momente, in denen ihr euch begegnet? Oder ist an die Stelle des Streits eine Gleichgültigkeit getreten, die niemanden mehr erreicht?

Für diese Bilanz helfen zwei Beiträge weiter: Lohnt es sich, um die Beziehung zu kämpfen? und Hat die Beziehung noch Zukunft?. Wenn die Zweifel größer werden als die Hoffnung, ist Soll ich mich trennen? der passende nächste Schritt.

Was ich dir mitgeben möchte: Dass du gekämpft hast, war nicht umsonst, egal wie es ausgeht. Du weisst danach, dass du es versucht hast. Das ist mehr wert, als es sich in diesem Moment anfühlt.

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Dieser Artikel basiert auf den Prinzipien der Holfeld Methode – dem therapeutischen Ansatz, mit dem Anna Holfeld seit über 15 Jahren Paare begleitet. Erfahre mehr zur Methode

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Häufige Fragen

Auf Dauer braucht es beide. Kurzfristig kann die Veränderung einer Person die ganze Dynamik in Bewegung bringen, weil der andere auf etwas Neues reagieren muss. Weniger Druck und mehr ehrlicher Blick auf den eigenen Anteil verändern oft mehr als jeder weitere Überzeugungsversuch.
Meistens steckt dahinter keine Gleichgültigkeit, sondern Erschöpfung. Wer erlebt hat, dass jedes Gespräch im Streit endet, hört irgendwann auf zu glauben, dass ein weiteres etwas ändert. Rückzug ist dann ein Schutz, und Schutz kann sich wieder lösen, wenn der Druck nachlässt.
Ein Muster, bei dem eine Person mehr Nähe und Klärung einfordert und die andere sich zurückzieht. Je stärker der Druck, desto größer der Rückzug, und je größer der Rückzug, desto stärker der Druck. Die Gottman-Forschung beschreibt es als eines der stärksten Warnzeichen für Unzufriedenheit in einer Beziehung.
Ja. Eine Beziehung ist ein System aus zwei Menschen, die aufeinander reagieren. Wenn du dein Verhalten veränderst, kann dein Partner nicht mehr genauso reagieren wie bisher. Das ersetzt keine gemeinsame Arbeit, aber es kann der Anfang sein.
Fang allein an, statt zu warten. Kurse wie der Beziehungsimpuls sind für Einzelpersonen gemacht. Häufig entsteht beim Partner erst dann Interesse, wenn er merkt, dass sich etwas verändert, ohne dass er dazu gedrängt wird.
Gib dem Ganzen acht bis zwölf Wochen und schau in dieser Zeit auf kleine Bewegungen statt auf die große Aussprache. Wenn danach gar nichts zurückkommt, ist das ein ehrliches Signal für eine Bilanz, nicht für noch mehr Einsatz.
Anna Holfeld – Systemische Paartherapeutin

Über die Autorin

Anna Holfeld

Systemische Paartherapeutin, Mediatorin und Elternbegleiterin mit über 15 Jahren Erfahrung. Anna hat mit der Holfeld Methode über 2.000 Paare begleitet und ist bekannt aus ARD, ZDF und dem Podcast „Apropos Beziehung".

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